Biko in Norwegen

Wie Biko unseren Urlaub mit Charme, Zugkraft und Salzwasser-Feinschmeckerei bereichert hat

Man spürt es ja immer schon ein paar Tage vorher: Irgendetwas liegt in der Luft. In unserem Fall war es ganz klar Urlaubsstimmung – zumindest bei uns Zweibeinern. Für Biko muss das Ganze eher wie eine etwas merkwürdige Mischung aus Betriebsamkeit, Vorratswirtschaft und leichter kollektiver Aufregung gewirkt haben. Überall wurde gepackt, gekocht, sortiert und geschniegelt. Selbst sein Auto blieb nicht verschont.

Seine vertraute Decke aus dem Kofferraum musste weichen, was bei kritischer Betrachtung sicher erst einmal Fragen aufwarf. Dafür bekam unser Berliner Bär auf der Rückbank eine neue, erstaunlich komfortable Reiselandschaft eingerichtet – inklusive Wanne über dem Fußraum. Mehr Beinfreiheit, bessere Aussicht, königlicher Komfort. Wir fanden: ein klares Upgrade. Biko sah uns vermutlich an, als wolle er sagen: „Schön und gut. Aber wohin entführt ihr mich?“

Als abends alles verstaut war und es langsam dunkel wurde, hieß es dann: „Komm, Biko, ab in den Urlaub. Das wird dir gefallen.“ Und so begann unser kleines Abenteuer. Wir fuhren durch die Nacht, mit Pausen, kurzen Bewegungsrunden und dem leisen Gefühl, dass wir diesmal wirklich weit unterwegs waren. Spätestens als es am nächsten Morgen hell wurde und wir in Hirtshals in Dänemark ankamen, war klar: Das hier ist keine normale Spritztour.

Dort wartete schon das nächste Highlight: unglaublich viel Wasser, viele Autos, andere Hunde – und ein großes Schiff. Für Biko war das alles sichtlich spannend, aber keineswegs beunruhigend. Mit stoischer Gelassenheit und neugierigem Blick nahm er die Welt in Augenschein. Als wir schließlich an Bord gingen und die Metalltreppe hinaufstiegen, waren wir durchaus gespannt, wie ihm das gefallen würde. Aber Biko wäre nicht Biko, wenn er nicht auch das souverän gemeistert hätte.

Besonders gut gefiel uns allen die sogenannte „Achtelounge“ – ein Raum mit Tischen, die extra für Hunde reserviert waren. Ganz ehrlich: sympathischer kann man eine Fähre kaum gestalten. Während sich der Raum füllte und es allmählich lauter wurde, blieb Biko angenehm entspannt. Zweieinhalb Stunden später kamen wir in Kristiansand an, von wo aus es noch einmal gut zwei Stunden bis zu unserem Ziel weiterging: Borghaug.

Und dann waren wir endlich da. Ein schönes Häuschen, eine große Holzterrasse, frische Luft und ganz viel norwegisches Urlaubsgefühl. Biko inspizierte die Lage mit der gebotenen Gründlichkeit und machte seinem Plüschtier vermutlich recht schnell klar, dass dies ab sofort das offizielle Ferienrevier sei.

Schon der erste Spaziergang zeigte uns, dass wir mit diesem Reiseziel alles richtig gemacht hatten. Es ging durch den Hafen bis hinaus auf die Mole, und Biko war im absoluten Entdeckerglück. Neue Gerüche, neue Geräusche, neue Eindrücke – und dazu diese herrlich aufgeregten schwarzweißen Vögel, die offenbar ebenfalls ihre Meinung zu allem hatten. Biko wusste zeitweise gar nicht, wohin zuerst. Der Hügel zur Mole hinunter wurde mit sportlichem Ehrgeiz genommen – für ihn, wohlgemerkt. Herrchen wurde eher mitgenommen als geführt und hatte auf dem Weg nach unten kurzzeitig so viel Bodenkontakt, dass man fast meinen konnte, auch er wolle Norwegen mit allen Sinnen erleben.

Unten angekommen warteten riesige Steine am Wasser, und Biko entdeckte augenblicklich eine neue Leidenschaft: Klettern. Fortan wurde aus jedem Spaziergang ein kleiner Balance-Parcours mit Aussicht. Die tägliche Morgenrunde zur Mole entwickelte sich schnell zum festen Ritual. Vor dem Frühstück wurde geschniegelt, geschnuppert und über Felsen balanciert, als hätte Biko nie etwas anderes getan.

Auch sonst hatten die Tage einiges zu bieten. Biko lernte neue norwegische Freunde kennen – und wir können bestätigen: Die Norweger, auf zwei wie auf vier Beinen, sind ausgesprochen angenehm. Es wurden neue Wege erkundet, neue Ziele ausgesucht und immer wieder diese wunderbare Landschaft bestaunt.

Ein ganz besonderes Ereignis war Bikos erster richtiger Gang ins Wasser. Zuhause war er noch eher zurückhaltend gewesen. In Norwegen jedoch genügte ein beherzter Einsatz des Juniorfrauchens, das die Hosenbeine hochkrempelte und einfach vorging – und Biko folgte. Tapfer, neugierig und sehr zufrieden. Bis zum Bauch war das Nordseebad offenbar bestens akzeptabel. Geschmacklich schien das Ganze ebenfalls interessant, auch wenn wir als mitreisendes Rudel finden mussten, dass Meerwasser eher unter „spannend, aber verzichtbar“ fällt. Biko sah das zunächst anders.

Dafür durfte danach am Strand ausgiebig getobt, gebuddelt und herumgesaust werden – eine absolut faire Urlaubsregelung, wie wir fanden.

An einem anderen Tag zog es uns in die Berge. Um dort zu einer schönen Aussicht zu gelangen, mussten wir durch einen langen, unbeleuchteten Tunnel. Herrchen hatte vorsorglich eine Taschenlampe eingesteckt, was im Nachhinein ungefähr so wirksam war wie ein Teelicht gegen Mitternachtsfinsternis. Es war schon ziemlich unheimlich dort drin. Aber Biko blieb tapfer. Wenn das Rudel zusammen ist, dann geht man eben auch durch dunkle Tunnel. Und tatsächlich wurden wir am Ende mit einer Aussicht belohnt, bei der selbst wir kurz sprachlos waren.

Überhaupt dieses Wasser in Norwegen! Es fällt dort scheinbar überall aus den Bergen, aus Felsen, aus dem Nichts. Wasserfälle, kleine Läufe, frisches Gletscherwasser – man kommt aus dem Staunen kaum heraus. Einmal spazierten wir direkt an einem herabstürzenden Wasserlauf entlang, und Biko nutzte die Gelegenheit, ausgiebig zu kosten. Wir sind uns ziemlich sicher: Frischer und leckerer kann Wasser kaum sein. Seine Begeisterung war jedenfalls unübersehbar.

Weniger begeisternd waren drei Tage, an denen ein schwerer Sturm von Schottland herüberzog. Windig wäre untertrieben. Es war so stürmisch, dass vermutlich selbst die Schafe ihre Frisur verloren. Und natürlich dachten wir uns als verantwortungsvolle Hundebesitzer: „Komm, Biko, wir schauen uns mal die Wellen an. Das wird bestimmt toll.“
Aus menschlicher Sicht war das durchaus beeindruckend. Aus Hundesicht vermutlich eher eine Mischung aus Zumutung und Vertrauensbeweis. Biko wurde jedenfalls ordentlich durchgepustet und war anschließend froh, wieder im Haus trockengerubbelt zu werden. Zur Wiedergutmachung wurde ausgiebig gekuschelt – und damit war das Rudelgleichgewicht wiederhergestellt.

So vergingen die zwei Wochen viel zu schnell. Wie das immer so ist, wenn man angekommen ist, Routinen gefunden hat und die Seele langsam im Ferienmodus mitschwingt, steht plötzlich schon wieder die Rückreise an. Auf der Fähre lernte Biko diesmal noch ein kleines Eurasier-Mädchen aus Dänemark kennen. Unsereins war kurz irritiert, weil sie für ihre zwei Jahre wirklich sehr klein wirkte. Biko hingegen blieb diplomatisch und charmant. Nett ist nett – und damit basta.

Wieder zuhause blieb vor allem eines: die Erinnerung an einen wunderbaren Urlaub mit einem Hund, der alles mit einer herrlichen Mischung aus Neugier, Gelassenheit, Entdeckergeist und leiser Komik begleitet hat. Biko hat Norwegen nicht nur gesehen, sondern mit all seinen Sinnen erlebt – auf Felsen, im Wasser, im Wind und mitten in unserem Herzen.

Nun schauen wir schon ein wenig voraus. Im nächsten Jahr soll es wohl nach Schweden gehen. Vorher aber stehen erst einmal die Gesundheitsuntersuchung und das Eurasiertreffen in Alsfeld an. Und auch dort wird Biko sicher wieder viele neue Hunde und Zweibeiner mit seinem Charme für sich gewinnen.